Losungen

Sonntag, 05. September 2010
Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!
Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.

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Geistliches Wort für Juli und August
Pastor MartensDas geistliche Wort für die Monate Juli und August von Pfarrer Dr. Gottfried Martens: Jesus Christus spricht: Ihr urteilt, wie Menschen urteilen; ich urteile über keinen. (St. Johannes 8,15 - Monatsspruch für August 2010)

Wenn man heutzutage an einer deutschen Universität evangelische Theologie studieren will, dann lernt man dort bereits ganz zum Beginn des Studiums die sogenannte historisch-kritische Methodik der Auslegung der Heiligen Schrift. Diese Methodik beruht auf vier Prinzipien, die der protestantische Theologe Ernst Troeltsch bereits 1898 klar benannt hatte: Erstens sollen wir prinzipiell an alle Texte, also auch an die der Heiligen Schrift, kritisch, das heißt: mit einer Haltung des Zweifels, herangehen und sie unserem Urteil unterwerfen, was wir für vernünftig halten.

Zweitens sollen wir bei allem, was wir in der Heiligen Schrift lesen, fragen, ob wir das, was wir dort lesen, auch selber in unserem Alltag erfahren. Wenn wir das Geschilderte auch aus unserer Alltagserfahrung kennen, hat es wahrscheinlich auch damals stattgefunden; wenn das Geschilderte unserer Alltagserfahrung widerspricht, dann ist es vermutlich erfunden. Dass Jesus von einer Frau geboren ist, ist wahrscheinlich richtig, denn das erleben wir heute auch noch, dass Menschen von einer Frau geboren werden. Dass er dagegen auferstanden ist, ist wahrscheinlich eine Erfindung - denn keiner von uns hat das wohl in seinem Alltag bisher miterlebt, dass ein verstorbener Mensch wieder auferstanden ist. Drittens sollen wir davon ausgehen, dass sich alle Phänomene, denen wir in dieser Welt begegnen, natürlich erklären lassen. Ein Eingreifen Gottes in diese Welt sollten wir gleich von vornherein methodisch ausschließen, da es „unwissenschaftlich“ wäre, so etwas anzunehmen. Und viertens schließlich soll uns bei der Analyse der Texte vor allem die Persönlichkeit derer interessieren, die diese Texte aufgeschrieben haben. Aus den Texten erfahren wir mehr über ihre Persönlichkeit, als darüber, was denn tatsächlich geschehen ist.

Wenn man mit dieser historisch-kritischen Brille an die Heilige Schrift herangeht, dann muss man von vornherein ausschließen, dass Gott tatsächlich in Jesus Christus Mensch geworden ist, dass da etwas Einmaliges geschehen ist, was sich einer historisch-kritischen Sicht der Dinge ganz und gar entzieht. Genau eine solche Diskussion führte Jesus auch damals schon im Johannesevangelium mit den Pharisäern. Die wandten schon damals die historische Kritik auf Jesus an und urteilten: „Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.“ (St. Johannes 8,13) Doch Jesus bringt die Dinge hier auf den Punkt: Wenn ihr versucht, mich nur als große menschliche Persönlichkeit wahrzunehmen, wenn ihr von vornherein ausschließt, dass ich von Gott kommen könnte, dann könnt ihr mit eurem Urteil über mich nur danebenliegen. Dann werdet ihr vor allem immer glauben, ihr hättet das Recht, über mich zu urteilen, eure beschränkten Maßstäbe auf mich anzuwenden. Dabei ist es genau umgekehrt: Nicht ihr seid meine Richter, sondern ich habe das Recht dazu, euch als euer Richter gegenüberzutreten. Nicht ihr richtet mich, sondern ich habe die Vollmacht, euch zu richten - und zwar so, dass dieses Urteil Auswirkungen auf euer Lebensgeschick hat, auch über euer Lebensende hier auf Erden hinaus. Und doch bin ich nicht gekommen, um euch zu verurteilen, sondern um euch zu retten.

Genau das ist das Gefährlichste an der Anwendung dieser historisch-kritischen Methodik auf die Heilige Schrift: Wird sie unbedacht angewandt, dann macht sie Christus zum Gegenstand meiner Kritik und lässt mich nicht mehr erkennen, dass er doch mein Retter ist, dass er gekommen ist, um mich vor meiner Verurteilung in Gottes letztem Gericht zu bewahren. Gut tun wir darum als Christen daran, die Voraussetzungen der historischen Kritik selber einer Kritik zu unterziehen - der Kritik, die Jesus Christus selber im Monatsspruch für den August äußert: Wenn wir wie Menschen urteilen, dann liegen wir bei Christus völlig daneben, dann verschließen wir uns von vornherein diesem Wunder, dass Gott für uns in Jesus Christus hörbar und sichtbar geworden ist.  Lassen wir uns darum auch nicht verrückt machen, wenn auch in Zukunft gewiss immer wieder einmal irgendwelche reißerischen Bücher über Jesus erscheinen werden, die behaupten, sie hätten nun endlich den wahren Jesus entdeckt. Den Zugang zu Jesus finden wir nicht dadurch, dass wir die Worte der Heiligen Schrift unserer Kritik und unserer Spekulation unterwerfen, sondern dass wir uns das Wort der Heiligen Schrift gesagt sein lassen und den Anspruch, den Jesus selber darin formuliert, ernst nehmen. Ginge es in unserem christlichen Glauben nur um irgendwelche Alltagsweisheiten, die jeder von uns letztlich auch selber weiß, dann könnten wir unsere Kirchen dicht machen. Aber man stelle sich nur mal vor, das stimmt wirklich, dass Gott all die schönen Regeln eines Herrn Troeltsch selber durchbrochen hat! Dann ist die Heilige Schrift in der Tat das aufregendste Dokument der Weltgeschichte, ja, dann geht es in ihr tatsächlich um nicht weniger als um mein Leben. Dass Gottes Geist auch Ihnen dafür immer wieder die Augen öffnen möge, wünsche ich Ihnen allen von Herzen!